BIMEDICAL-Icon depressiv durch einen gestörten Darm

Was hat denn meine Psyche mit dem Darm zu tun? Fragen Sie sich das angesichts dieses Themas? Oder hat Sie der Titel angesprochen, weil Sie schon einen derartigen Zusammenhang ahnen? Seltsam erscheint es allemal, wenn man doch zu Recht psychische Störungen normalerweise unserem Gehirn zuschreiben muß. Und das liegt ja nun wirklich weit vom Darm entfernt.

Tatsächlich gibt es aber einen wissenschaftlich bewiesenen und labortechnisch meßbaren Zusammenhang von Darmerkrankungen und bestimmten Formen von Depression. Der Kontakt dieser scheinbar weit auseinander liegenden Organe wird durch Hormone hergestellt, die unser enterales Nervensystem (Bauchhirn) mit dem zentralen Nervensystem (Gehirn) verbinden.

Eines dieser Hormone ist das Serotonin – das so genannte Glückshormon!

Serotonin hat wunderbare Wirkungen in unserem Gehirn. Es wirkt antriebs- und konzentrationsfördernd, stimmungsaufhellend und antidepressiv – ein ausgesprochenes Wohlfühlhormon, das niemand missen möchte.

Serotonin hat aber auch wichtige Wirkungen am Darm, einer der Gründe, warum Serotonin zu 95% im Darm gebildet wird. Hier sorgt es u.a. für einen geordneten Verdauungsablauf.

Aber für all diese wünschenswerten Wirkungen muß erst einmal genug Hormon entstehen. Und das ist leider sehr störanfällig, weil viele Faktoren zusammenkommen. Wie Sie sich denken können, muß zunächst einmal der Darm gesund sein. Das jedoch ist alles andere als selbstverständlich, da bekanntlich ca. 30 Millionen Menschen in Deutschland an Darmstörungen bzw. Darmerkrankungen leiden. Ja, Sie lesen richtig, jeder 3. hat Darmprobleme!

Und dieses würde in einem gesunden Darm geschehen: Jedes Nahrungseiweiß wird in seine kleinsten Bestandteile, die Aminosäuren, zerlegt und so von der Schleimhaut in die Blutbahn aufgenommen. Darunter findet sich auch die Aminosäure Tryptophan, die die Grundlage für die Serotoninbildung darstellt. Diese wird in der Schleimhaut über die Zwischenstufe 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) zu Serotonin synthetisiert bzw. das 5-HTP gelangt über die Blutbahn ins Gehirn und wird dort zu Serotonin. So weit so gut, das geschieht wohl gemerkt nur in einem gesunden Darm.

Was geschieht nun aber bei so manchen der vielen Darmkranken oder vielleicht auch bei Ihnen? Ist die Darmschleimhaut gestört, gereizt oder entzündet, dann kann u.U. aus der Aminosäure Tryptophan nicht mehr 5-HTP entstehen und somit auch kein Serotonin – weder im Darm noch im Gehirn. Schlecht für den Darm und schlecht für die Psyche! Leider müssen nicht immer heftige Bauchschmerzen bestehen, sodaß man selbst auch gar nicht auf einen entfernten Zusammenhang von Darmstörung und Psyche kommt. Oft genug ist das Organ gesund und nur das Ökosystem im Darm ist gestört. Und das ist bekanntlich für uns Außenwelt. Unser Organismus beginnt erst an der Schleimhautgrenze. Was da nicht durchkommt betritt unser Körper gar nicht und macht deshalb u.U. auch keine nennenswerten Beschwerden. Allenfalls ein Blähbauch nervt etwas, gibt aber selten Anlaß kompliziertere Zusammenhänge mit dem Hormonsystem zu vermuten. Und genau das ist das Problem. Wer weiß, wie viele Menschen hochpotente Psychopharmaka einnehmen, die eigentlich nur einen gestörten Darm und den damit verbundenen Serotoninmangel behandeln müßten? Wieviele Patienten werden gar aus diesen Gründen stationär in der Psychatrie mit nebenwirkungsreichen Psychopharmaka behandelt und bräuchten eigentlich nur einen Morgenurin in ein Fachlabor senden und den dort diagnostizierten Serotoninmangel natürlich ambulant zusammen mit dem gestörten Darm behandeln lassen? Ein erschreckender Gedanke, nicht wahr? Umso mehr, als eine einfache Morgenurinprobe Klarheit bringt und eine Fehldiagnose verhindert.

In unserer Praxis veranlassen wir immer eine kombinierte Stuhl- und Urinuntersuchung, weil bei nachgewiesenem Serotoninmangel immer eine individuelle Darmsanierung gemäß den Stuhlergebnissen erfolgen muß. Die Therapie dieser Form der durch den Darm verursachten Depression ist dann oft erstaunlich einfach. Die Erfolgsformel lautet: Darmtherapie + 5-HTP = psychische und körperliche Gesundheit.