BIMEDICAL-Icon Intestinale Autointoxikation - die kostbedingte Selbstvergiftung aus dem Darm

"Der Tod steckt im Darm" ist eine sehr alte Redewendung, die damals schon deutlich machen sollte, daß gewisse Darmerkrankungen uns umbringen können. Gedacht hatte man damals sicher an Seuchen wie Pest und Cholera, aber auch an Vergiftungen.

Die Intestinale (=vom Darm ausgehend) Autointoxikation (=Selbstvergiftung) ist die Vergiftung in der heutigen Wohlstandsgesellschaft. Nun werden Sie sicherlich gleich an die diversen Umweltgifte denken, die uns zunehmend belasten. Aber diese Form der Vergiftung ist hier nicht gemeint. Bei der Autointoxikation geht es um Gifte - vornehmlich einfache und höhermolekulare Alkohole - die wir durch falsche Kost in unserem Darm  selbst erzeugen! Genauer formuliert, bilden unsere Darmbakterien die Toxine aus nicht ausreichend verdauter Nahrung.

Nun mögen Sie an dieser Stelle vielleicht geneigt sein, nicht weiterzulesen, da Sie sich doch gesund ernähren und von einer Vergiftung längst etwas bemerkt haben müßten. Aber genau das ist ein Problem bei der Autointoxikation. Die noch so "gesunde" Kost kann für Sie und Ihren Darm die falsche sein. Und die Vergiftungserscheinungen sind heimtückisch, für Sie schwer erkennbar und nur mit Sachkenntnis Ihren Beschwerden zuzuordnen.

Dieses hört sich alles nicht nur für Sie als Laien recht kompliziert an, es ist auch für uns Ärzte in seiner Komplexität eine Herausforderung. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sich bedauerlicherweise nur so wenige Ärzte mit diesem  weitverbreiteten Krankheitsbild befassen. Immerhin müssen wir davon ausgehen, daß mehr als 30% der Menschen in Mitteleuropa mehr oder weniger unter der Intestinalen Autointoxikation leiden!

In einigen logischen Schritten wollen wir nun sozusagen etwas Licht in das Dunkel Ihrer Gärkammer Darm bringen.

Sie haben oben schon gelesen, daß die eigentliche giftige Wirkung von Alkoholen (Methanol, Äthanol, Propanol, Butanol) ausgeht. Diese Alkohole wirken in unserem Organismus zelltoxisch und kanzerogen, können also Zellen zerstören und Tumoren entstehen lassen. Immerhin wird Methanol im Körper zu dem hochtoxischen Formaldehyd umgewandelt. Die zellzerstörerische Wirkung der Alkohole trifft dabei beonders die Immunzellen des darmwandständigen Immunsystems. Gebildet werden die Alkohole von Fäulnis- und ganz besonders von Gärbakterien im Darm. Voraussetzung für Fäulnis und Gärung ist aber ein überhöhtes Angebot an Nährstoffen im Dickdarm, die diese Darmbakterien übermäßig entwickeln lassen. Sie müssen nämlich wissen, daß der überwiegende Teil unserer Darmbakterien im Dickdarm lebt, wo das Nährstoffangebot normalerweise sehr begrenzt ist. Schließlich sollten Sie bei gesunder Verdauung Ihre Nahrung im dem gleich nach dem Magen anschließenden Dünndarm weitestgehend verdaut haben.

Welche Gründe könnte es also haben, daß bei Ihnen noch bis in den Dickdarm so reichlich Nährstoffe vorkommen, daß krankmachende Fäulnis- und Gärbakterien Feste in Ihnen feiern? Natürlich gibt es eine Vielzahl von Ursachen, wie bestimmte Darm- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen oder Nahrungsmittelallergien. Aber die mit Abstand häufigste Ursache ist die falsche Zusammensetzung Ihrer Kost!

Bei der Suche nach den Störfaktoren brauchen Sie sich nur zu fragen, von welcher Nährstoffgruppe Sie am meisten und vermutlich zu viel zu sich nehmen. Wie die meisten Mitteleuropäer werden auch Sie feststellen, daß Sie sehr viele Kohlenhydrate in Form von Brot, Gebäck, Kartoffeln, Reis, Nudeln und Zucker essen. Diese kohlenhdrathaltigen Nahrungsmittel gibt es erst seit der letzten Sekunde der Menschheit. Wir sind genetisch auf diese Kostform also noch gar nicht programmiert. Deshalb können wir nur eine begrenzte Menge Kohlenhydrate verarbeiten. Die täglichen Überangebote sind somit ein gefundenes Fressen für Gärbakterien, die sich ungezügelt vermehren können. Dieses wird um so schlimmer, je mehr Sie auch noch Vollkorn, Rohkostsalate und Obst dazu essen. Diese naturbelassene, ballststoffreiche Kost besteht zu allen Überfluß auch noch aus äußerst schwerverdaulichen Kohlenhydraten - einem idealen Gärmedium.

Sie werden nun mit Entsetzen feststellen müssen, daß für Sie u.U. Ihr Vollkornbrot, Müsli, Rohkostsalat, Nudelgericht oder Obstteller gar nicht so gesund ist, wie bisher angenommen. Viele schwören auf Vollwertkost ohne zu ahnen, daß so manche Befindlichkeitsstörung oder Krankheit auf dieser vermeintlich so gesunden Kost beruht.

Viele wissenschaftliche Untersuchungen (u.a. von Prof. Dr. med. Karl Pirlet, em. Ordinarius Uni Frankfurt) haben schon in den vergangenen Jahrzehnten belegt, daß sich umso mehr toxische Alkohole bilden, je kohlenhydratbetonter, je balaststoffreicher und je naturbelassener die Kost ist. Und die Vollwertigkeit kann u.U. mehr Schaden stiften als Nutzen!

Diese toxischen Alkohole können die verschiedensten Krankheitsbilder hervorrufen, da sie theoretisch jede Zelle schädigen können. Es ist naheliegend, daß die Organe am ehesten erkranken, in denen die Toxine entstehen bzw. entgiftet werden. Darum sind entzündliche Darmerkrankungen mit massivem Blähbauch, mit Durchfall oder Verstopfung, an erster Stelle zu nennen. Oft ist die Leber belastet, die zu Verfettung neigt und in der Blutuntersuchung erhöhte Leberwerte (GOT, GPT und besonders GGT) zeigt. Sehr häufig reizen oder schädigen die toxischen Alkohole die Immunzellen insbesondere in der Darmwand, was einerseits zu Nahrngsmittelunverträglichkeiten,  anderseits zu vermehrter Infektanfälligkeit führen kann. Deshalb sollten Sie bei wiederholtem Auftreten beispielsweise von Bronchitis, Sinusitis oder Zystitis immer auch an einen gestörten Darm denken.

Da die toxischen Alkohole Methanol, Benzol & Co. hirngängige Substanzen sind, wird es jedem einleuchten, daß zentralnervöse Störungen wie Schwindel, Kopfschmerz, Migräne, Konzentrationsstörungen und chronische Müdigkeit von ihnen ausgelöst werden können.

Keinesfalls darf unerwähnt bleiben, daß Gärungs- und Fäulnisprozesse selbstverständlich auch schon bei Kindern und Kleinkindern vorkommen und folglich auch die oben erwähnten Erkrankungen.

So kompliziert die Zusammenhänge auch sein mögen, mit einer besonders detailierten Stuhluntersuchung in einem Speziallabor läßt sich in der Regel die Diagnose stellen und daraufhin eine erfolgreiche Darmsanierung durchführen.



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Eine Darmsanierung kann aber nur gelingen, wenn parallel eine individuelle Kostumstellung erfolgt. Sie können sich vorstellen, daß es absolut sinnlos ist, krankmachende Darmbakterien zu bekämpfen, wenn man Sie weiterhin achtlos füttert. Die Darmsanierung muß folglich unter einer leicht verdaulichen Kost erfolgen, die u.a. rohfaser- und kohlenhydratreduziert sein sollte.